Kleines Update 05.10.2019: Ich mache auch beim diesjährigen WildsauSEO Contest mit.

Ich hab vorher noch nie an einem SEO-Contest teilgenommen. Irgendwie überkam es mich dann doch. Am 06.10. – also letzten Freitag – beschloss ich kurzerhand auch beim Siebtlingsgeburt SEO-Contest mitzumachen.

Als ich mich jedoch am Sonntag dabei erwischte, wie ich, statt im Wochenende zu bleiben, weiter an dem Artikel, Recherchen und OffPage arbeitete, musste ich mich mit Sinn und Unsinn solcher Contests auseinandersetzen.

Nachfolgend könnt ihr meine Gedanken und Argumente lesen, die gegen die Sinnhaftigkeit solcher Wettbewerbe stehen. Aber hey: No hate. Es steht ja jedem frei, teilzunehmen oder nicht. Es hat mich ja niemand gezwungen. Gruß an alle Kollegen und Mitstreiter! 🙂

Fantasiebegriffe als Schutz vor reellen SERP-Verzerrungen in reellen Märkten

Alle SEO-Wettbewerbe arbeiten mit frei erfundenen oder semantisch-verbogenen Fokus-Keywords. Der Begriff „Siebtlingsgeburt“ ist ein Fantasiewort. Und das hat auch seinen guten Grund: Ein Keyword, welches tatsächlich von Nutzern nachgefragt und von Unternehmen, Shops oder Diensteanbietern genutzt wird, würde womöglich starke Verzerrungen in Bezug auf den Wettbewerb in der organischen Google-Suche auslösen. Auch angesichts der Tatsache, dass bei einem solchen Contest gleichmal ein paar Hundert SEOs mit allen Methoden herrumeskalieren. Das wiederum würde rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wahrscheinlich wäre Google da die erste, die klingeln kommt. Dieses Fantasiewort-Problem bringt mich direkt zu den nächsten Bauchschmerzen.

Kein echtes Wort, kein echter Content

Zugegeben, im Fall von „Siebtlingsgeburt“ konnte ich mir semantisch noch einen Reim machen. Die Nähe zur Geburt von Siebenlingen und dem Geburtenthema hat es etwas einfacher gemacht, als wäre es ein totales Unsinnswort. Wie man bei den vielen – teils mega kreativen – Beiträgen von Mitstreitern sehen kann, sind alle anders an das Thema rangegangen. Von Storytelling über imitierte Wikipedia-Artikel bis hin zu einer leeren Seite (!!!). Aber es bleibt trotzdem ein sinnloses Wort, womit ich emotional und kommunikativ nichts anfangen kann. das bringt mich weiter zum nächsten Problem.

Kein echtes Thema, kein echter Bedarf

Wenn man Content für ein Thema schreibt, das fiktiv und frei erfunden ist, steht man immer vor inhaltlichen Problemen. Ich hatte anfangs große Schwierigkeiten mir einen roten Faden und den strukturellen Aufbau zu spinnen. Zumal ich nie – niemals nie – auch nur annähernd für Suchmaschinen optimiere, fehlt mir hier einfach der Faktor Mensch und seine Bedürfnisse.

Keine echte Zielgruppe

Ich arbeite in der SEO-Praxis gerne mit echten Menschen, mit ihren Bedürfnissen und Informationsanforderungen an eine Website. Aber im Falle der Siebtlingsgeburt besteht die Zielgruppe einzig allein aus Google und dem Rankingalgorithmus. Wir versuchen hier nicht etwa potentielle Kunden und Internetnutzer von der Qualität einer Dienstleistung oder eines Produkts zu überzeugen. Nein, wir produzieren Bullshit-Content für eine Suchmaschine, die diesen dann bitte bestmöglich ranken mag. Nächstes Problem!

Keine Lösungen

Wenn ich für Kunden Konzeptionen erstelle und strategische Pläne schmiede, dann geht das in der Regel auch in die Richtung „Welche Lösungen kann ich meinen potenzielle Kunden / Interessenten auf der Website anbieten?“. Welche Lösung soll ich Google und einer Menge Bots anbieten? Kontaktieren Sie mich? Friss diese Infografik? Sorry, so arbeite ich nicht. Ich weiß nichtmal, was das Ziel ist. Next problem!

Keine KPI außer die Rankingposition eines Keywords

Man arbeitet einzig und allein auf ein unsinniges Keyword hin, welches weder wirklich gesucht wird noch überhaupt irgendeinen Nutzen hat. Als ich am Sonntag so da saß und weiter an Inhalten arbeitete und den aktuellen Stand der Dinge überprüfte, überkam mich eine wichtige Grundsatzfrage: „Warum eigentlich?“

Spielen gegen Cheater

Wenn man sich die Seite von Mark (Schöne Grüße! Dein Doggy ist ne wahre Schönheit!) anschaut, die auf Position 1 einbetoniert scheint, fällt man vom Glauben ab und verliert die Lust. Da rank Google eine leere Seite auf Platz 1 während andere scheinbar Tage in kreative Ideen investiert haben. Ich weiß nicht, was mich mehr ärgert: das eine leere Seite auf 1 rankt oder das man Google immer noch so bescheissen kann.

Jedenfalls ist sowas wie beim Gaming: Wenn man ein Spiel spielt, bei dem andere mit Cheats, Exploits oder Hacks bescheissen können, dann verliert man den Spaß und spielt dieses Spiel auch nicht mehr.

Zeitverschwendung für den Nutzen anderer

Alle, die an diesem und anderen SEO-Wettbewerben teilgenommen haben wissen: Man investiert extrem viel Zeit in sowas. Zeit, die nach dem Ende des Contest verloren ist, die Ergebnisse dann wertlos und überflüssig. Ich möchte nicht, dass meine Arbeit überflüssig und wertlos ist. Wenn ich mir dann noch den Nutzen hinter der ganzen Aktion anschaue (wie gesagt: no hate here. just Meinungsäußerung), sehe ich bis auf einen Schwanzvergleich und etwas Spaß überhaupt keinen Nutzen oder Mehrwert für mich. Profitieren tun andere: Beispielsweise Sponsoren oder Organisatoren eines solchen Contest.

Warum nicht ein Contest mit Sinn und Zielen?

Was nach diesen ganzen Zeilen, Gedanken und Erkenntnissen bleibt ist unbefriedigende Leere. Ein Ziel kann keine vorgeschriebene Position bei Google sein – ein Ziel ist mehr als das. Wie schon anfangs geschrieben, ist es rechtlich schwierig ein Suchwort zu verwenden, was reelle Märkte betrifft. Ich verstehe das. Aber meiner Meinung nach kann man nur wirkliche Ziele erreichen und Mehrwerte schaffen, wenn man etwas für echte Menschen tut. Das tue ich bei Siebtlingsgeburt nicht.

Vielleicht…

finden sich ja für die Zukunft SEO-Contest-Konzepte, die all das bieten können. Beispielsweise Projekte für gemeinnützige Organisationen und der KPI ist dann „wieviel konnte ich dieser NGO helfen?“. Aber so? Nein, sowas möchte ich nicht. Und solange es keine anderen Konzepte gibt, war dies auch mein erster und letzter SEO-Contest.

so long

Marcel